Kommentar

Rechtschreibreform: Jetzt passt's!

Kultur | Carsten Fastner | aus FALTER 10/06 vom 08.03.2006

Was denn bitte ein Bohs sein soll, habe ich mich unlängst ein, zwei Zehntelsekunden lang gefragt - und das mir unbekannte Wort gleich noch einmal gelesen. Das Aha-Erlebnis stellte sich unmittelbar ein: Mit "Boß" war natürlich "Boss" gemeint. Die am 1. August 2005 nach längerer Übergangsfrist verbindlich gewordene neue deutsche Rechtschreibung hat bei mir längst gegriffen. Wenn ich ein ß sehe, lese ich den vorausgehenden Vokal automatisch lang, und ein "daß" wirkt auf mich bereits ähnlich altertümlich wie ein in Fraktur gesetztes "Alterthum".

Es funktioniert also: Man kann eine Rechtschreibung tatsächlich reformieren und davon ausgehen, dass sich in den Köpfen der Sprachbenutzer selbst lebenslang eingeübte Gewohnheiten letztlich vollständig durch neue ersetzen lassen. Das ist wohl die wichtigste Erkenntnis aus dem nicht enden wollenden Streit über ss, ß & Co, der ansonsten allein aus einem einzigen Grund sympathisch ist: Er beweist das lebhafte öffentliche Interesse an der


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige