DIE LITERARISCHE VORLAGE

"Zu packenden Bildern gesteigert"

Kultur | aus FALTER 10/06 vom 08.03.2006

Die Erzählung "Brokeback Mountain" umfasst vierzig Seiten und erschien 1997 im New Yorker. Ang Lees Verfilmung hat sie so bekannt gemacht, dass die Sammlung "Weit draußen. Geschichten aus Wyoming", in die sie aufgenommen wurde und von dessen "schlichtem und lakonischem Country-Sound" sich auch John Updike beeindruckt zeigte, nun als "Brokeback Mountain" wieder aufgelegt wurde. Neu hinzu gekommen ist der Essay "Verfilmt werden", in dem die Autorin Annie Proulx (auch bekannt als E. Annie Proulx) die weit verbreitete Ansicht korrigiert, es handle sich bei der Vorlage zum Film um "die Geschichte zweier schwuler Cowboys": "Das ist sie nicht. Es ist eine Geschichte über destruktive ländliche Schwulenfeindlichkeit."

Für Proulx, Jahrgang 1935 und mit allen bedeutenden Literaturpreisen der USA bedacht (Pulitzer Prize, PEN/Faulkner und National Book Award), ist die Erfahrung, verfilmt zu werden, nicht neu: 2001 kam Lasse Hallströms, auf Proulx' gleichnamigem Roman basierender Film "Schiffsmeldungen" ("The Shipping News", mit Kevin Spacey und Julianne Moore) in die Kinos. In dem erwähnten Essay schildert die Autorin ihre Skepsis gegenüber einer Verfilmung von "Brokeback Mountain" und wie sich diese auflöste, als sie zum ersten Mal das fertige Ergebnis sah: "Ich merkte, dass mir als Schriftstellerin ein Filmerlebnis der seltensten Art zuteil wurde: Meine Geschichte war nicht verstümmelt, sondern zu gewaltigen, packenden Bildern gesteigert worden, zu erschütternden und ergreifenden Bildern."

K. N.

Annie Proulx: Brokeback Mountain. Aus dem Amerikanischen von Oskar Halbsattel. München 2006 (Diana). 368 S., E 8,20


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