SPIELPLAN

Kultur | Claudia Romeder, Wolfgang Kralicek | aus FALTER 10/06 vom 08.03.2006

Nach dem Grundsatz "Du sollst dir kein Bildnis machen" exerziert Max Frisch in seinem Lehrstück "Andorra" die Konsequenz der Umkehrung dieses Bibelgebotes durch und entwirft eine plakative Versuchsanordnung über die Gefahren des Vorurteils und der Vorverurteilung. Andri gilt im "weißen", friedlichen Andorra offiziell als jüdisches Findelkind, das der Lehrer Can vor dem Hass der aggressiven "Schwarzen" gerettet hat. In Wirklichkeit handelt es sich jedoch um seinen leiblichen, unehelichen Sohn. Was für Andri vormals von Vorteil war, wird nun sein Verhängnis: In dem fiktiven Modellstaat schwindet angesichts der militärischen Bedrohung durch die "Schwarzen" die vielgerühmte Toleranz. Regisseur Peter Lotschak hält sich im Theater in der Josefstadt an die modellhaften Vorgaben Frischs und kreiert mit unsentimentaler Spielweise des Ensembles hohe Emotion. Florian Teichtmeister brilliert als vermeintlicher Jude Andri, der an der Front antisemitischer Stigmatisierung zerbricht. Auch Gerti


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