NÜCHTERN BETRACHTET

Depressive Tulpen

Kultur | aus FALTER 10/06 vom 08.03.2006

Eigentlich stehe ich der pragmatischen Maxime "if you can't beat them, join them" durchaus wohlwollend gegenüber und bin zurzeit unter anderem auf der Suche nach dem Dschihadisten in mir. Mehr Mühe bereitet es mir allerdings, meine Abneigung gegen jeglichen meteorologischen Extremismus zu überwinden. Wäre Petrus kein christlicher Terrorist, hätte es auf diesem Planeten ständig nur Temperaturen zwischen zehn und 25 Grad Celsius. Nun hat ein übel wollender Schöpfer verfügt, dass Wasser erst bei null Grad gefriert (An sich hätte man das ja gut und gerne auch anders einrichten können!), und das eigentlich nicht ganz unpittoreske Phänomen Schnee erst bei erheblicher Kälte stattfindet. Selbst das könnte man noch hinnehmen; vollends unsinnig aber wird es, wenn es schneit, obwohl es gar nicht kalt genug ist: Üppig rieselt es aus Gottes großem Zuckerstreuer hernieder, aber anstatt funky Verkehrsbehinderungen und softe Straßenschalldämmung zu verursachen, firnt das Zeug nur so fade

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