Fragen Sie Frau Andrea

Vom Windel verweht

Stadtleben | aus FALTER 10/06 vom 08.03.2006

Liebe Frau Andrea!

Ich habe die aktuelle Beobachtung gemacht, dass Wickelgelegenheiten in Ämtern oder Lokalen meist auf der Damentoilette zu finden sind. Als emanzipierter baldiger Jungvater stellt sich mir nun eine Frage zur Etikette. Was soll ich tun, wenn ich mich mit meinem Kind an so einem Ort aufhalte und dieses just in so einem Augenblick wickelbedürftig wird? Ist es erlaubt, in einer derartigen Notlage als Mann die Damentoilette zu betreten? Oder muss ich mir, ganz väterlich, Gedanken über die Konstruktion einer mobilen Wickelgelegenheit machen?

Mit freundlichen Grüßen, Robert Ruzitschka, Josefstadt

Lieber Robert,

der Stoffwechsel von Säuglingen ist dank der Segnungen der modernen Windelindustrie ein Problem, das durchaus zu meistern ist. Gehen wir davon aus, dass Ihnen das Auffinden einer Toilettenanlage überhaupt gelingen will. Ein Unternehmen, das ja grundsätzlich als Erfolgserlebnis gelten darf. Aus Gründen, die mit der Polarisierung elterlicher Pflichten und der geringen Durchdringung unserer Gesellschaft mit gendermaingestreamten Feuchträumen zusammenhängt, befinden sich die Wickelräume des Landes nahezu ausschließlich auf den Damenseiten der Toiletten. Nach moderner Auffassung sanitärer Etikette sollte es kein Problem sein, zur Wickelung Ihres Kindes die dafür eingerichteten Räumlichkeiten aufzusuchen. Eigenen Geschäften akuter Art sollte in der Anwesenheit von Säuglingen allerdings weder auf Herren-noch auf Damentoiletten nachgegangen werden.

dusl@falter.at


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