"Der Winter ist da!"

Extra | Erich Klein | aus FALTER 11/06 vom 15.03.2006

LYRIK Zehn Jahre nach dessen Tod erscheinen hundert Gedichte des russisch-amerikanischen Literaturnobelpreisträgers Joseph Brodsky - eine Art "Best of".

Gedichte sind wichtiger als das eigene Leben, lautete die Maxime des 1940 in Leningrad geborenen Lyrikers Jossif Brodskij als junger Mann. Als amerikanischer Staatsbürger erhielt der bedeutendste russische Dichter der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts 1987 den Nobelpreis für Literatur. "Ich aber trotte wieder in Gedanken / von dem Verhör zum anderen durch die Flure / in jenes ferne Land, wo's nichts mehr gibt / nicht Januar nicht Februar nicht März", heißt es in einem der für den Band "Brief in die Oase" erstmals ins Deutsche übersetzten Gedichte.

Das Sonett entstand am Vorabend jenes Prozesses, in dem die Sowjetmacht dem Dichter 1964 "Parasitentum" vorwarf. Brodsky, der mit 16 die Pflichtschule verlassen und sich mit Gelegenheitsjobs und Übersetzungen durchs Leben gebracht hatte, verteidigte sich selbstbewusst: Er spreche im


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