Missionare der Gewalt

Extra | Kirstin Breitenfellner | aus FALTER 11/06 vom 15.03.2006

TOTALITARISMUS Wladimir Sorokin verfolgt in "Bro" jene Sekte, die er schon im Roman davor erfunden hat.

Auserwählte glauben immer, dass sie anders sind als alle anderen. Sie wähnen sich im Besitz der Wahrheit und merken nicht, dass sie, um diese Wahrheit durchzusetzen, Methoden anwenden, die nicht zuletzt ihren eigenen Überzeugungen widersprechen. Das nennt dann Religion - oder Totalitarismus.

Im Jahr 2003 hat Wladimir Sorokin, Enfant terrible der russischen Literatur, einen Roman namens "Ljod. Das Eis" veröffentlicht, der von solcherart Überzeugten handelt, einer abstrusen Sekte im zeitgenössischen Moskau, die blonde und blauäugige Menschen auf offener Straße überfällt und mit einem Hammer aus Eis so lange bearbeitet, bis sie sterben. Oder ihr Herz zu "sprechen" beginnt. Gesucht werden auf diese Weise 23.000 Auserwählte des göttlichen Eises (das russische "ljod" bedeutet Eis), die allein den "Fehler" des unvollkommenen Erdenlebens ausmerzen und die ewige Harmonie wiederherstellen


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige