"Zum Teufel, was soll's"

Extra | Thomas Glavinic | aus FALTER 11/06 vom 15.03.2006

WÜRDIGUNG Charles Bukowski wird verkannt. Wirklich kennen lernen kann man ihn jetzt in einer Ausgabe seiner Briefe.

Charles Bukowski! Ein Autor, den man mit 17 liest und mit dreißig verachtet. Die, die ihn in ihrer Jugend gelesen haben, tun dies als Jugendsünde ab, und die, die ihn nicht gelesen haben, kommen nicht auf die Idee, es nachzuholen, weil er ja ein Autor für die rebellische Jugend ist. Alles falsch. Charles Bukowski, der 1920 als Sohn einer Deutschen und eines amerikanischen Besatzungssoldaten in Andernach zur Welt kam und von seinem dritten Lebensjahr an in Los Angeles lebte, wo er 1994 auch starb, ist ein unterschätzter Schriftsteller. Oder zumindest ein aus den falschen Gründen geschätzter. In der Bukowski-Rezeption liegt der Schwerpunkt auf der Drastik seiner Schilderungen von Pferdewetten, Schlägereien, Besäufnissen, Sexualakten, und nur selten hat sich jemand die Mühe gemacht zu untersuchen, ob es sich bei dem kuriosen Trinker nicht vielleicht doch um einen Autor


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige