Schweigsame Pariser

Extra | Edgar Schütz | aus FALTER 11/06 vom 15.03.2006

BESETZTES FRANKREICH Michael Wallner treibt einen schöngeistigen Obergefreiten in eine politisch brisante Amour fou.

Was kann einem Frühzwanziger mit frankophilem Gemüt Besseres passieren, als nach Paris versetzt zu werden, weil man dort Dolmetscher braucht? Wahrscheinlich nichts, außer man schreibt das Jahr 1943 und ist Angehöriger der Deutschen Wehrmacht. Dass er für Gestapo und SS nun Verhöre mit Gefangenen übersetzen muss, bei denen so zur Sache gegangen wird, dass die Opfer nicht bloß ihre Zähne, sondern mitunter sogar ihr Leben verlieren, nimmt der Ich-Erzähler, der Obergefreite Roth, mit stoischem Pragmatismus hin. Da ihn die Politik und damit der ganze Weltkrieg nur peripher interessieren, errichtet er einen emotionalen Schutzwall um sich, der es ihm erlaubt, seine Arbeit zu verrichten.

Nichtsdestotrotz hält es der Soldat mit der schöngeistigen Ader im zum Stabsquartier umfunktionierten Hotel zwischen forschen SS-Rottenführern, pflichtergebenen Hauptsturmführern und


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