Wahre Heldinnen

Hellmut Butterweck | Extra | aus FALTER 11/06 vom 15.03.2006

ZEITGESCHICHTE I Erica Fischer schildert, wie zwei Zwillingsschwestern dem NS-Terror und dem Kommunismus trotzten.

Seine Foltermethoden könnten doch wirklich nicht so arg gewesen sein, sagte der angeklagte Gestaposadist Johann Sanitzer am 11. Jänner 1949 treuherzig zum Richter, denn "wie könnte es sonst noch überlebende Zeugen geben?". Nachzulesen in einem der Gerichtssaalberichte vom nächsten Tag. Unter den überlebenden Zeugen war auch die Kommunistin Rosa Großmann.

Sie war gefesselt auf einen Diwan geworfen und von sechs Gestapobeamten, darunter dem Angeklagten Sanitzer, vor den Augen ihres ebenfalls gefesselten Vaters mit Lederriemen blutig gepeitscht worden. Um auszuschließen, dass sie unter der Folter Genossen verriet, riss sie sich im Stiegenhaus des ehemaligen Hotels Metropol, das der Wiener Gestapo als Hauptquartier diente, von ihren Bewachern los und warf sich über das Stiegengeländer. Wie durch ein Wunder überlebte sie den Sturz aus dem zweiten Stock.

Ein halbes Jahrhundert

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