KOSMOLOGIE

Gott oder was jetzt?

Extra | aus FALTER 11/06 vom 15.03.2006

Es war im Juli 2005, als sich der Wiener Kardinal Christoph als Export-Importhändler des als intelligent design maskierten Kreationismus betätigte und - nicht nur die heimischen - Kommentatoren zu heftigen Pro-und Kontrachorgesängen animierte. Nun legt Henning Genz, pensionierter theoretischer Teilchenphysiker der Universität Karlsruhe, unter dem Titel "War es ein Gott?" einen umfangreichen Essay vor, in dem er unter anderem die Frage nach den Voraussetzungen der Entwicklung intelligenten Lebens im Universum stellt und sie mit der Quantentheorie, der Relativitätstheorie und Kosmologie beantworten möchte.

Das Kernthema des Buchs sind sogenannte "Naturgesetze" und die spezifischen Werte der "Naturkonstanten", die in ihrem Verhältnis zueinander erst intelligentes Leben ermöglichen. Da steckt eben der Designer dahinter, sagt der Kardinal. Was allerdings Genz genau sagen will, blieb dem wohlwollenden Rezensenten nach der Lektüre von 211 Seiten verborgen.

Genz' Argumentation führt den Leser in ein Labyrinth philosophischer Diskussionen von Plato bis Leibniz, physikalischer Erklärungen der Eigenschaften des Universums von Newton bis Einstein, die nur dann verständlich sind, wenn der Leser mehr als nur populäres Wissen über Einsteins spezielle und allgemeine Relativitätstheorie oder Heisenbergs Quantenvakuumfluktuationen mitbringt.

Zu allem Überfluss ist das Ganze zudem in einem schauerlichen Deutsch geschrieben, das nach der Eleganz populärer englischsprachiger Darstellungen von Quantentheorie und Kosmologie lechzen lässt. Und so ist das Buch leider eine verpasste, ja verpatzte Gelegenheit, die alten Menschheitsrätsel in den neu designten Kleidern mit den Ergebnissen der modernen Naturwissenschaften auf eine allgemein verständliche Weise zu konfrontieren. W. L. R.

Henning Genz: War es ein Gott? Zufall, Notwendigkeit und Kreativität in der Entwicklung des Universums. München, Wien 2006 (C. Hanser). 224 S., E 20,50


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