Bauen als Diplomatie

Kultur | Jan Tabor | aus FALTER 11/06 vom 15.03.2006

HARRY SEIDLER (1923-2006) Der australische Architekt brachte in den Neunzigerjahren die Bauhaus-Moderne in seine Geburtsstadt Wien.

Neuerdings, nachdem er am 9. März in Sydney starb, ist zu lesen, Harry Seidler sei ein österreichischer Architekt gewesen, der - gleichsam en passant - in Australien Bedeutendes zustande gebracht habe. Davor pflegte man zu schreiben, er sei ein Architekt mit österreichischen Wurzeln. Derartige Behauptungen werden als Auszeichnungen verstanden und für ausreichend gehalten.

Harry Seidler ist eine Ausnahme. Was Richard Neutra nicht gelang, ist Seidler geglückt: ein eindrucksvolles Bauwerk zu errichten in Wien, in ihrer Geburtsstadt, in die beide Architekten, bereits betagt und berühmt, zurückgekehrt waren, um mit den Menschen hier Frieden zu schließen. Frieden durch vortreffliches Bauen.

Allerdings waren die Voraussetzungen für Baubeauftragungen von vertriebenen oder emigrierten jüdischen Architekten jeweils höchst unterschiedlich. Bei Neutra (der bereits


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