Streifenweise

Kultur | Maya Mckechneay, Michael Omasta | aus FALTER 11/06 vom 15.03.2006

Rund siebzig Nachdenkbücher für Jugendliche hat die hessische Grundschullehrerin Gudrun Pausewang geschrieben: Deren Themen - Dritte Welt, Umweltzerstörung oder Faschismus - trafen den Zeitgeist der Siebzigerjahre. In ihrem bekanntesten Roman, "Die Wolke", entwarf sie kurz nach Tschernobyl das Szenario eines deutschen Super-GAUs. Die Leinwandadaption von Marco Kreuzpaintner (Buch) und Gregor Schnitzler (Regie) macht nun aus Pausewangs 14-jähriger Romanheldin Janna Berta eine etwas ältere Hannah, führt für diese einen Love-Interest ein und inszeniert ansonsten einen eher straighten Katastrophenfilm. Dabei wird der Countdownbogen der sich nähernden Atomwolke in der ersten Hälfte derart überspannt, dass der zweite Teil irgendwie träge hinterherhängt. "Die Wolke" ist weniger peinlich geraten als einfach belanglos. Wir lernen: Atomwolken sind wie Schiffsuntergänge - Schicksalstapeten, vor denen jede geküsste Sekunde noch mal so intensiv schmeckt. Im letzten Bild breitet ein verstrahltes Mädchen im Wind die Arme aus und spürt, fast wie Céline Dion, ganz, ganz toll sich selbst.

Detlev Buck kann auch anders. Nach dem Flop von "LiebesLuder" (2000) hat sich der Regisseur, als Spezialist für Komödien bekannt, auf ein anderes Genre verlegt: das des Actionfilms mit ernstem Hintergrund. "Knallhart" erzählt die Geschichte eines schmächtigen blonden Jungen, der vom nobligen Berliner Stadtteil Zehlendorf ins raue Neukölln übersiedeln und sich gegen die türkischen Schläger aus seiner Klasse behaupten muss. In von Hand gefilmten, blaugrauen Straßenbildern nimmt die Tragödie ihren Lauf. Buck verschont das Publikum mit amateursoziologischen Erklärungen, blickt durchweg mit Sympathie auf die Charaktere, was im Großfeuilleton für einige Irritationen sorgte (Stichwort: "Brandbeschleuniger", Die Zeit). Dabei handelt es sich bei "Knallhart" um das größte Kunststück überhaupt: ein Stück deutsches Genrekino, das ausnahmsweise nicht bloß zum Lachen ist.


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