Spielplan

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 11/06 vom 15.03.2006

Die Theaterreformen kommen und gehen, das Ensemble Theater bleibt seiner Linie treu. Bert Brecht zum Beispiel hat man hier immer schon groß geschrieben; mit "Herr Puntila und sein Knecht Matti" (bis 22.4.) steht derzeit die bereits 18. Brecht-Inszenierung seit 1977 auf dem Spielplan. Die 1940 im finnischen Exil geschriebene Klassenkampfburleske um den Kapitalisten Puntila, der nur im Vollrausch menschliche Züge zeigt, und seinen sarkastischen Chauffeur Matti, enthält ein paar tolle Szenen, ist aber nicht spannend genug, um sie einfach "vom Blatt" zu spielen. Regisseur Dieter Haspel brachte es offenbar nicht übers Herz, ein Stück seines Lieblingsautors zu kürzen, weshalb die Inszenierung geschlagene drei Stunden dauert. Ein Abend für orthodoxe Brechtianer und sentimentale Gruppe-80-Fans: In Nebenrollen sind Dieter Hofinger und Alfred Schedl im Einsatz.

Wo früher die Gruppe 80 war, ist jetzt das TAG zu Hause. Als zweite Produktion des Anfang des Jahres neu eröffneten Theaters wird ein neues Stück der deutschen Autorin Sibylle Berg gegeben. Berg ist unter anderem als Kolumnistin bekannt geworden, und ein bisschen sieht "Das wird schon. Nie mehr lieben!" (bis 8.4.) auch wie eine szenische Kolumnensammlung aus: Zwei Frauen, die immer noch nicht den "Mann fürs Leben" gefunden haben, wollen in einem Workshop das Lieben verlernen; zu diesem Zweck werden verschiedene Beziehungs-Standardsituationen durchgespielt. Wer darüber noch nicht genug gelacht hat, wird an dem überdrehten Abend (Regie: Margit Mezgolich) vielleicht sein Vergnügen haben. Für das TAG aber gilt bis auf weiteres das Prinzip Hoffnung: Das wird schon.


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