Nüchtern betrachtet

Fahr zur Hölle Feel-Good-Tussi!

Kultur | aus FALTER 11/06 vom 15.03.2006

In Julian Barnes' ziemlich wunderbarem Erzählband "Der Zitronentisch" gibt es eine Geschichte über einen in die Jahre gekommenen Musikliebhaber, der in seinen Methoden, zu spät kommende, hustende, niesende und tratschende Konzertbesucher zu maßregeln, zusehends radikaler, ja geradezu gewalttätig wird. So werde ich auch werden: alt, schwul und bösartig. Schuld daran tragen die Feel-Good-Tussis. Während der Hochkulturschmock das Geld anbetet, das er für die Konzertkarte ausgegeben hat (wie Adorno angewidert anmerkte), dabei aber wenigstens das Maul hält, sind seine säkularen Nachfahren dazu übergegangen, lautstark die eigene Gutgelauntheit zur Schau zu stellen - schließlich haben sie 34 Euro für ein John-Cale-Konzert ausgegeben und sind jetzt sooo gut drauf. Nun kann ich es durchaus verstehen, wenn man im Rahmen einer als Individualismus und Freiheitszuwachs missverstandenen rockistischen Enthemmtheit ein bisschen über die Stränge schlägt. Man soll dann halt irgendwelche Drogen


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