Fragen Sie Frau Andrea

Baden in Blut

Stadtleben | aus FALTER 11/06 vom 15.03.2006

Liebe Frau Andrea,

unter der Dusche stehend und den "Falter" lesend, begegnete ich ihm wieder einmal: dem "Blutbad". Wolfgang Kralicek und Klaus Nüchtern nahmen es in "Falter" 8/06 Seite an Seite ein (pp. 57 et 58). Kohorten von Journalisten berichten regelmäßig davon: vom Blutbad. Was aber darf/muss ich mir unter einem Blutbad vorstellen,

fragt Ihr Nicht-Nitsch-Adept Walter, Internet

Lieber Walter,

unter einem Blutbad möchten Sie sich doch bitte ganz einfach ein Massaker vorstellen. Zur Schonung der inneren Tapete empfehle ich im gleichen Atemzug, sich weder ein Blutbad noch ein Massaker vorzustellen, gehören diese Vorgänge doch zu den unerfreulichsten Ergebnissen menschlicher Begegnungen. Sprachlich kämpft der Ausdruck "ein Blutbad anzurichten" jederzeit mit dem Problem, dass Bäder gemeinhin eingelassen, bestiegen oder schlicht genommen werden, Anrichtungen dagegen stets im Zusammenhang mit Speisen vorgenommen werden. Ein Massakreur, so er sprachlich korrekt zitiert werden will, sollte also Blutbäder einlassen und Blutspeisen anrichten. Das Blutbad selbst, begangen, bestiegen, angerichtet oder zubereitet, ist aus dicken skandinavischen Geschichtsbüchern in den Journalismus entwischt. Die historische Literatur kennt das Blutbad (blodbad) vor allem aus der schwedischen Geschichte, wo die Blutbäder von Kalmar (1505), Stockholm (1520), Ronneby (1564) und Linköping (1600) bleibenden sanguinischen Eindruck hinterlassen haben.

dusl@falter.at


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