Auch vor zwanzig Jahren zeigte man gern Bilder von Klimt in den Zeitungen; nur war der Anlass ein anderer. Die erfolgreiche Ausstellung "Wien 1900 - Traum und Wirklichkeit" löste eine internationale Wien betreffende Euphorie aus. In Paris strömten die Massen ins Centre Pompidou, um eine Ausstellung zu sehen, die den Titel "Wien 1880-1938 - die Geburt eines Jahrhunderts" trug und von Gérard Régnier zusammengestellt worden war. Als sein Assistent agierte der später berühmte Kunstkritiker Günter Metken, mit dem Felicia Oblegorski ein Falter-Gespräch führte.

Vorwort | aus FALTER 12/06 vom 22.03.2006

Zum Schluss fragte sie ihn, wie er das Wien von heute empfinde. Metken antwortet: "Aus der Literaturgeschichte waren es damals Hofmannsthal, Kraus, Herzmanovsky, Schnitzler, Doderer und viele mehr. Im Lauf der Zeit habe ich mich dann sehr für Künstler wie Walter Pichler, Arnulf Rainer und Brus interessiert. Das sind natürlich Leute, die völlig an Kokoschka und Schiele anschließen, da gibt es überhaupt keinen Bruch. (...) Die Stadt (selbst scheint) sehr uninteressiert an sich selbst und ihrer eigenen Vergangenheit. Die Künstler entwickeln sich mehr außerhalb Wiens, entweder auf dem Land oder in Deutschland, in der Schweiz oder in Amerika. Die Schriftsteller sind faszinierend, aber die kommen eher aus Graz und Umgebung.

Das alles jedoch, habe ich den Eindruck, ist im Begriff, sich zu ändern. Es ist eine deutliche Aufbruchsstimmung zu merken. So sehr das alte Wien verschwindet, die Kaffeehäuser modernisiert werden, so anders ist es auf den uns interessierenden Gebieten. Es gibt jetzt wieder Menschen, die Monate oder Jahre in Wien verbringen, und das gar nicht uninteressant finden. Ich glaube, das löst die Berlinwelle ab, die vorbei ist und die Ausländer auch so sehr angezogen hat. Jedenfalls habe ich den Eindruck, dass sich heute in Wien entschieden etwas tut." A. T.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige