Weissrussland

Lukaschenko-TV

Medien | aus FALTER 12/06 vom 22.03.2006

Wenn es nicht die bunten Computergrafiken gäbe, man könnte sich fast in der Sowjetunion wähnen. Das weißrussische Staatsfernsehen wurde dieser Tage großen sowjetischen Traditionen gerecht. Zum Beispiel am Freitag vergangener Woche: Erst erfuhr das Publikum von einer sensationellen Enthüllung des KGB-Chefs Stepan Suchorenko - Spitzname "Henker" - über eine terroristische Verschwörung von Gegnern des Präsidenten Alexander Lukaschenko; das Geständnis eines vermeintlichen Terroristen inklusive. Dann begutachtete der Staatschef noch persönlich die neuesten Errungenschaften der weißrussischen Lastwagenindustrie und drohte Gegnern mit "Halsumdrehen". Wohl programmiert war auch der Sonntag, der Tag der Präsidentenwahl: Am Nachmittag zeigte der Staatssender Eins die sowjetische Fernsehserie "Schild und Schwert" (1968), die von einem russischen Spion in Nazideutschland handelt, auf dem Staatssender Belarus-TV lief ein Galakonzert der weißrussischen Kitschschnulzenkombo Freunde. Die sorgte zuletzt mit einem Lukaschenko-Loblied für einschlägige Furore. Gespenstisch schließlich die Wahlberichterstattung. Obskure ausländische Beobachter - darunter russische Politiker, die tags zuvor noch beim Begräbnis des serbischen Präsidenten und Kriegstreibers Slobodan MilosÇevic´ in PozÇarevac weilten - lobten Land und Leute und bezeichneten die Wahlen als vorbildlich. Kein Bildchen von Oppositionskandidaten, kein Wörtchen zur großen Kundgebung der Regimegegner am Abend. In der Nacht noch ein hurrapatriotisches Bonusprogramm: "Die Weißrussen haben als Einzige in Europa den Mut, die Wahrheit zu sagen und für Gerechtigkeit einzutreten." Während Lukaschenko seine angeblichen achtzig Prozent bei den Wahlen feiert, protestiert die EU gegen die "Einschüchterung" von Oppositionellen - und droht mit Sanktionen.


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