FERNSEHEN

Medien | Julia Ortner | aus FALTER 12/06 vom 22.03.2006

Die ORF-Unterhaltungsmenschen mögen zwar nicht die Kreativsten sein, aber ein Händchen für schräge Vögel haben sie. Jetzt darf statt Dagmar Koller, die am Krankenbett des Gatten wacht, Harald Serafin einen der Juroren bei der Tanzshow "Dancing Stars" geben - eine spannende Grenzerfahrung für den Zuschauer. Sobald Serafin loslegt, ist man zwischen irrationaler Sympathie, peinlichem Berührtsein, tiefem Mitgefühl für den Operettenheini hin-und hergerissen. Er bringt dieses Mörbischer-Seefestspiele-Feeling in die Show, das wohl nur alte Damen und ÖVP-Politiker super finden. Alle Teilnehmer tanzen "wunderbar!", er ist von jedem Herumgewanke "begeistert!", die Damen sind sowieso immer "wunderschön!". Der Herr mit der heiseren Stimme jauchzt und freut sich dabei wie ein Kind, der Walzer, sein Lieblingstanz, die Körper, die sich aneinander schmiegen! Den professionellen Tanzauskennern in der Jury geht das voll auf den Geist - doch Serafin scheißt sich nichts und verteilt generell die besten Noten, sogar an burgenländische Tanztraktoren wie Barbara Karlich. Muss man sich schämen, wenn man Harald Serafin rührend findet?


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