STREIFENWEISE

Kultur | Michael Omasta, Drehli Robnik | aus FALTER 12/06 vom 22.03.2006

Pferdegeschichten sind, anders als "Pferdeopern" (vulgo: Western), etwas für Mädchen, und so ist es kein Zufall, dass ein solches die Geschichte von Sonador, einer jungen Stute mit gebrochenem Vorderlauf, erzählt. "Dreamer", das Regiedebüt von John Gatins, trägt im Original den Titelzusatz: "Inspired by a True Story", dessen deutsche Version ("Ein Traum wird wahr") gleich das Happy-End des Films verrät: Eine zerrüttete Familie aus Kentucky, die mit Ausnahme der kleinen Cale das Träumen verlernt hat, rauft sich mithilfe ihres rekonvaleszenten Rennpferds wieder zusammen und erfährt Heilung inklusive Comeback. Spannend ist nur, wie wenig der Film mit Stars wie Kris Kristofferson, Elisabeth Shue, Kurt Russell oder David Morse anzufangen weiß - und wie Dakota Fanning, seine elfjährige Hauptdarstellerin, ihnen allen die Show stiehlt.

"The Hills Have Eyes" ist das Remake des gleichnamigen Schockers von anno 1977 über Kannibalen, die in der Wüste New Mexicos Touristen massakrieren (und umgekehrt). Wollte man beide Versionen nach der Grauslichkeitsskala bewerten, läge Wes Cravens Erstfassung vorne: nicht in Hinblick auf splatternde Ton-und Maskeneffekte - da ist Alexandre Ajas Neufassung plastischer und drastischer. Nein, Cravens Film war grauslicher und auch radikaler, weil er ein ungustiöses Thema flach und "ohne Geschmack" inszenierte, mit unansehnlichen Figuren in No-Budget-Ausstattung und nichtssagender Landschaft. Das Remake hingegen macht auf bildgewaltig, zitiert "Das Schweigen der Lämmer" und Sam Peckinpahs Eskalationsetüde "Wer Gewalt sät", ersetzt Cravens wortreichen, konsumkulturpessimistischen Ökohorror durch gschmackiges Amerika-Bashing: Die Opferfamilie ist patriarchal, bigott und waffennarrisch, die Tätersippe haust unterm Star Spangled Banner in einer verstrahlten Atomtestkulissenstadt aus den Fifties - Tradition als Mutation.


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