Dornröschen, blutrot

Kultur | Gerhard Stöger | aus FALTER 12/06 vom 22.03.2006

MUSIK "Nachtblau" erzählt ein Märchen mit den Mitteln von David Lynch - auf CD und live.

Let's have a party tonight", fordert die Sängerin Rosivita im Eröffnungsstück ihrer Debüt-CD "Nachtblau". Dass es sich weniger um ein verlockendes Angebot als vielmehr um eine Drohung handelt, legt bereits die unruhig-getriebene Musik nahe. Jeden Restzweifel räumt der bedrohliche Gesang aus. Ganz klar: Dieser Party möchte man bestenfalls als voyeuristischer Fenstergucker, aber gewiss nicht als Gast beiwohnen.

"The Devil And Me" verdeutlicht gleich darauf, warum: Zur Musik eines einnehmenden Blaue-Stunde-Hatschers singt Rosivita: "Ich stech mir jetzt die Adern auf, das Blut, das soll jetzt fließen. Ich möchte es sehen bewusst und rein, das rote Blut ward mein." Im weiteren Verlauf der deutsch und englisch gesungenen und mit diversen Noir-Motiven operierenden Platte offenbart sich, dass wohl nicht nur ihr eigenes Blut fließt in dieser Nacht zwischen Traum und Wirklichkeit, Sehnsucht und Raserei, Attraktivität und Verstörung.

"Nachtblau", von Rosivita in Kooperation mit dem seit Jahren im Bereich des postdramatischen Medientheaters tätigen Multimediakünstler, Musiker und Komponisten Karl Karlbauer realisiert, deutet den Stoff des "Dornröschen"-Märchens mit den Mitteln von David Lynch und mutiert in der Liveumsetzung unter dem Namen "Nachtblau ist die Farbe meines Zorns" zur Performance, die weit über den klassischen Konzertrahmen hinausgeht. "Ich scheiß auf die Bescheidenheit, Zurückhaltung ist dumm. Ich nehm mir einfach, was ich will", singt Rosivita. Hörer und Zuseher sind dennoch in Sicherheit. Q

Rosivita: "Nachtblau" (Karlbauer Records/Hoanzl).

Live: am 22.3., 19.30 Uhr, bzw. 25. & 26.3., 19 Uhr,

im Porgy & Bess.

Karten: www.porgy.at bzw. Tel. 512 88 11.


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