STANDPUNKT

Lernfaul?

Politik | aus FALTER 13/06 vom 29.03.2006

Dass sich, wie der Rechnungshof feststellt, zwei von drei Lehrern an berufs-und allgemeinbildenden Schulen mäßig oder gar nicht fortbilden, wirft kein gutes Licht auf eine Berufsgruppe, deren Aufgabe es ist, junge Menschen neugierig und gescheiter zu machen. Wie wollen Lehrer etwas vermitteln, das ihnen selbst offenbar wenig Freude bereitet? Bitte mich nicht falsch zu verstehen. Dieser Text soll nicht ins dumpfe Wir-geben-faulen-Lehrern-eins-aufs-Dach abgleiten. Aber dass sich Pädagogen laufend darum bemühen, ihren Wissensstand aktuell zu halten, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Genauso, wie es selbstverständlich sein sollte, die Fortbildung in die unterrichtsfreie Zeit zu legen. Es gibt ja genug davon. Umgekehrt ist der Vorsitzenden der AHS-Lehrergewerkschaft, Eva Scholik, Recht zu geben, wenn sie einer "gewissen Freiheit" der Pädagogen bei der Fortbildung das Wort redet. Was spricht dagegen, einem Englischlehrer die US-Rundreise mitzufinanzieren, dem Historiker den Archäologie-Workshop in Gizeh oder dem Informatiklehrer den Besuch bei Google in Mountain View? Jedem Pädagogen einen Fortbildungsbetrag, den er eigenverantwortlich nützen kann. Jede Wette, die Lehrer brächten mehr Begeisterung zurück in die Klassenzimmer als nach einer Woche Schulbankdrücken im Pädagogischen Institut Wien. M. G. B.


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