PRESSESCHAU

Medien | Gerald John | aus FALTER 13/06 vom 29.03.2006

Heißer Tipp für die Jurorinnen der "spitzen Feder", dem Journalistinnenpreis für Feminismus: Die Presse drängt sich heuer auf, die Frauenversteher-Trophäe zu kassieren. Mutig klotzte das Bürgerblatt eine Schlagzeile, die viele Leser - wir leben ja erst im 21. Jahrhundert - vor den Kopf stoßen wird. "Frauen haben ökonomisches Potenzial", erfuhr da die verblüffte Männerwelt. Jetzt noch aufdecken, dass Frauen zum Beispiel auch Autofahren können, und der Preis ist in der Tasche! Lob also für die Presse, Schelte für den Standard. Die liberale Tageszeitung lässt im politischen Teil Unsitten einreißen, die an News erinnern - Stichwort Wichtigtuerei. Ständig betonen die Blattmacher im Text, dass jemand etwas exklusiv "zum Standard" gesagt habe. In einem Artikel vom Wochenende kam der Name der eigenen Zeitung schon fast so oft vor, wie das Objekt der Berichterstattung, die Bawag. Diese Praxis würde man ja verstehen, wenn Fidel Castro oder der Papst zum Interview in der Herrengasse vorbeischauten. Aber auf die täglichen Sermone der Parteisekretäre sollte sich der Stolz in überschaubaren Grenzen halten.


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