"Vielleicht aus Heimweh"

In der Tat kann es Frisell ordentlich krachen lassen - dafür hatte er unter anderem als Mitglied von John Zorns Naked City ausführlich Gelegenheit. Der viel beschäftigte und auch abseits des Jazz überaus begehrte Gitarrist (u.a. arbeitete er mit Elvis Costello, Marianne Faithful, Van Dyke Parks, Ron Sexsmith oder David Silvian zusammen) gibt jährlich an die 200 Konzerte; bekannt ist er vor allem für seinen melancholisch getönten und dennoch von einer uramerikanischen Zuversicht getragenen Countrysound, der beim Zuhören mitunter Bilder von wogenden Weizenfeldern und weißen Holzkirchen heraufbeschwört. In Wien, wo er mit seinem 858 Quartet auftritt, dem neben ihm noch Hank Robert (Cello), Jenny Scheinman (Violine) und Eyvind Kang (Viola) angehören, wird er Musik zu Stummfilmen von Buster Keaton, Keisuke Sasaki und Bill Morrison aufführen.

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 13/06 vom 29.03.2006

MUSIK Der Gitarrist Bill Frisell tritt im Gartenbaukino auf, um dort unter anderem Buster Keaton live zu begleiten. Ein Gespräch über Stumm-und Tonfilm, Heimweh und das Schicksal, Amerikaner zu sein.

Bill Frisell, der vor wenigen Tagen seinen 55. Geburtstag beging, hat sich sein bubenhaftes Äußeres bewahrt. Der Mann erinnert an ein freundliches Murmeltier - eine Art Punxsutawney Phil, der immer nur das Nahen des Frühlings verkündet. Die Zeitschrift Spin bezeichnete ihn einmal als den "Clark Kent der Elektrogitarre" - freundlich und bescheiden im persönlichen Umgang, aber voller Feuer, sobald er sich sein Instrument umhängt.

Falter: Sie haben Ihre Kompositionen zu drei Buster-Keaton-Filmen vor 13 Jahren zum ersten Mal aufgeführt und danach auch zwei Alben damit eingespielt - allerdings mit einer ganz anderen Band. Wie hat sich denn die Musik im Laufe der Zeit entwickelt?

Bill Frisell: Ich verwende nach wie vor dieselben Themen und Melodien, muss sie aber neu orchestrieren. Der größte


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