Die Farce vor der Tragödie

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 13/06 vom 29.03.2006

THEATER Trash zu Trash: Das Volkstheater zeigt im Bellaria Kino eine Dramatisierung von Hugo Bettauers Roman "Die Stadt ohne Juden".

Nach dem Holocaust wirkt der satirische Roman "Die Stadt ohne Juden" wie eine skandalöse Verharmlosung. In dem Buch wird geschildert, wie die Juden per Gesetz aus Wien vertrieben werden, wie die Stadt daraufhin zum Provinznest verkommt, wie das Gesetz schließlich aufgehoben wird und die jüdischen Mitbürger im Triumphzug zurückkehren. Der Witz daran: "Die Stadt ohne Juden" ist bereits 1922 erschienen, also Jahre vor den Nürnberger Rassegesetzen und dem "Anschluss" Österreichs an Nazideutschland.

Der Wiener Journalist und Schriftsteller Hugo Bettauer (1872-1925) hat seinen "Roman von übermorgen" nicht aus dem Nichts heraus geschrieben; das Buch ist allerdings weniger prophetische Vorwegnahme des Naziregimes als literarischer Beleg für den im Österreich der Zwischenkriegszeit blühenden Antisemitismus. Vorbild für Bettauers Bundeskanzler Karl Schwertfeger


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