AUFGEBLÄTTERT

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 13/06 vom 29.03.2006

Angeblich sind Kurzgeschichten nicht rasend beliebt. Romane gehen einfach besser. Dabei sind in einem schwachbrüstigen Band mit Short Stories oft Ideen enthalten, mit denen mindere Romanciers ihr halbes Lebenswerk bestreiten könnten. Der DuMont Verlag hat in einer Reihe, die dünnen Büchern vorbehalten ist, nun auch "Das Nest" herausgebracht. In "Tschechow lesen" wird die traurige Mechanik von Affären freigelegt ("Selbst die Trennung, der Abschied, die Bitterkeit waren insgeheim vorbedacht. Es war plump. Ganz gleich, wie fantastisch, wie wild, wie impulsiv es gewesen war - im Rückblick hatte es nicht außerhalb ihrer Ehe gestanden"), und in "Sault Ste. Marie" frönt der von berühmten Kollegen wie Jeffrey Eugenides und Jonathan Franzen tüchtig gelobte David Means seiner Vorliebe für gewalttätige Geschichten aus dem White Trash-Milieu, die schon in dem - in jeder Hinsicht gewichtigeren - Band "Coitus" auffiel: Ein ohnedies schon ramponierter Banker wird da von herumlungernden Burschen


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige