SPIELPLAN

Kultur | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 13/06 vom 29.03.2006

Der "Familientisch" ist wieder da! Im Schauspielhaus zeigt Regisseur David Maayan eine modifizierte Wiederaufnahme seiner erfolgreichen Festwochenproduktion von 2005. In "Der Familientisch - Neun Monate später" (bis 9.4.) erzählen sieben Darsteller ihre privaten (und, davon gehen wir einmal aus: realen) Familiengeschichten. Im ersten Teil des Abends folgt das Publikum in Kleingruppen je einem Akteur durch Wien - unsere Reise führte in die Familiengeschichte des aus Serbien stammenden Schauspielers Vladimir Petkovic, mit Bim und Bus ging's in eine Wohnung in Neubau und durch dunkle Hinterhöfe. Schließlich fanden wir uns am Siebensternplatz wieder, in Pionieruniformen den realen Sozialismus besingend - großartig! Teil zwei findet im Schauspielhaus statt, dort speist und trinkt man an einem großen Tisch mit den anderen Darstellern, deren Storys in Bruchstücken nachgeliefert werden. Ein fesselnder, heiter-melancholischer Abend, sehr sehenswert, obwohl das Puzzle am Ende nicht ganz gelöst wird.

Die Geschichte, die "Hedwig and the Angry Inch" im gleichnamigen "Neo-Glam-Post-Punk-Rock-Musical" im Metropol (bis 12.4.) erzählen, ist äußerst bizarr: Als Hansel in der DDR aufgewachsen, kommt Hedwig kurz vor dem Mauerfall und nach einer missglückten Geschlechtsumwandlung (ein Inch blieb vom Spatzi) an der Seite eines GIs in die USA, tingelt als punkige Dragqueen mit ihrer Band durch muffige Kleinstadtclubs und fördert einen Rockbuben, der sie abserviert, als er ein Star wird. Zum Glück ist der vor einigen Jahren verfilmte New Yorker Off-Broadway-Hit mehr Konzert mit hohem Wortanteil als Musical - wer das Genre liebt, wird enttäuscht sein. Gewöhnungsbedürftig sind die deutschen Texte (vor allem bei den härteren Nummern), Andreas Bieber aber, der als Musicalstar seine Fans hat, gibt die zornige Hedwig mit viel Verve und macht - das kann man ruhig sagen - seine Sache wirklich gut. Hoffentlich kommt Alfons Haider nie auf die Idee, in Stockerau die Hedwig zu geben.


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