Geschichten für Taxler

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 13/06 vom 29.03.2006

LITERATUR In seinen grandiosen Short Stories bewies Richard Yates sein unbestechliches Auge für soziale und amouröse Schieflagen.

Eines kann man Richard Yates (1926-1992) nicht vorhalten: dass er versucht hätte, sich ins beste Licht zu rücken. In "Baumeister", der letzten und mit Abstand längsten Geschichte des 1962 im amerikanischen Original erschienen Short-Story-Bandes "Elf Arten der Einsamkeit", lässt er den Icherzähler, einen Schriftsteller, aus der Distanz von 13 Jahren eine Episode von 1948 erzählen, als dieser - so wie damals auch Richard Yates - 22 Jahre alt war. Dieses Alter Ego bastelt mit mäßigem Erfolg hinter einem Paravent der ehelichen Wohnung an seiner literarischen Karriere, als er über ein Inserat mit einem Taxifahrer namens Bernard Silver in Kontakt kommt. Unter eher obskuren Hinweisen auf etwaige Chancen auf Verfilmung oder eine lukrative Veröffentlichung in Reader's Digest heuert Silver den jungen Protagonisten für fünf Dollar pro Story als Ghostwriter

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