KUNST KURZ

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 13/06 vom 29.03.2006

Als der Surrealist André Breton 1921 Sigmund Freud besuchte, wurde er bitter enttäuscht. Der Künstler wollte das Unbewusste als Quelle der Fantasie und Kreativität feiern, der Psychoanalytiker witterte in seiner Entdeckung nur Neurosen. Ohne direkten Bezug zum Freud-Jahr findet nun in Wien eine Ausstellung über den Surrealismus statt, der Kunstrichtung, die ohne den ernsten Professor in der Berggasse vielleicht nie entstanden wäre. Die Schau im BA-CA Kunstforum titelt "Verrückte Liebe" und bezieht sich damit sowohl auf die von den Surrealisten verehrte "Amour fou" als auch auf die Sammelleidenschaft von Ulla und Heiner Pietzsch. Das Berliner Ehepaar hat eine beachtliche Kollektion von Bretons Pariser Kreis zusammengetragen; hinzu kommt ein schöner Max-Ernst-Schwerpunkt.

Magritte lässt nackte Frauen aus Zylindern schlüpfen, in den Bildern von Paul Delvaux wandeln barbusige Damen durch traumgleiche Szenen. Bekleidet oder nackt: Die Frau fungiert im Surrealismus durchweg als mystische Gestalt. Aber nicht nur erotische Szenen kommen vor. Als schaurigen Monsterkopf malt Max Ernst seinen "Hausengel"; Roberto Matta zieht in dem spannungsvollen Bild "Locus Solus" von 1941 eine Art Gewitter über eine geometrische Struktur. Feinen Humor zeichnet Leonora Carringtons geritztes Bild "Laufen Sie, meine Damen, ein Mann ist im Rosengarten" aus. Wo die Sammlung den Surrealismus ins mexikanische Exil begleitet, wirkt sie schlüssiger als bei den Anknüpfungspunkten an den amerikanischen Neoexpressionismus. In New York hielt der Künstler Onslow Ford Vorträge über den surrealen Stil und Maler wie Robert Motherwell, Arshile Gorky oder Jackson Pollock nahmen an Sessions mit automatischem Schreiben und Zeichnen bei Roberto Matta teil. Leider beschränkt sich die Schau nicht auf die historische Entwicklung des Surrealismus. Was etwa die 1993 entstandene, hyperrealistische Plastik "Polizist" von Duane Hanson hier soll, bleibt schleierhaft.


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