NÜCHTERN BETRACHTET

Vis-à-vis will man nicht verspießern

Kultur | aus FALTER 13/06 vom 29.03.2006

Vis-à-vis meiner Wohnung kümmerte sich lange Zeit eine Anstalt um unsere Pensionsversicherungen. Seitdem diese aber die Büros gewechselt hat, sind dort Menschen mit ausgesprochen erratischen Arbeitszeiten zugange. Was genau sie tun ist angesichts ihrer unspezifischen Tätigkeit - sitzen, stehen, schreiben - schwer zu erahnen. Jalousien wären zwar vorhanden, sie sind aber stets hochgezogen, und ich vermute stark, dass angesichts dieser nachgerade calvinistischen Heimlichkeitsvermeidungsbekundung entweder sehr Selbstloses oder sehr Schmutziges in Arbeit ist. Entweder es handelt sich um Menschen, die außerhalb ihrer Brotberufe ehrenamtlich für Ärzte ohne Grenzen arbeiten, oder um solche, die illegalen Unfug mit Geldern, Drogen oder Minderjährigen treiben - und das am liebsten in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Unverdrossen kann man sie dann um ein, zwei oder drei Uhr sitzen, stehen oder schreiben sehen. Das macht mich nervös. Ich bin auch ein arbeitsames Kerlchen, aber irgendwann


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