Fragen Sie Frau Andrea

Pepihacker

Stadtleben | aus FALTER 13/06 vom 29.03.2006

Liebe Frau Andrea,

in einer westösterreichischen Tageszeitung fand sich vor einiger Zeit der Terminus "Pepihacker, wie man in Wien den Pferdemetzger nennt". Jetzt kann ich als Salzburger mit diesem Ausdruck gar nichts anfangen. Woher kommt er?

Vielen Dank,

Christoph, Internet

Lieber Christoph,

das Gewerbe, das sich mit der Verarbeitung und dem Verkauf von Fleisch beschäftigt, heißt in Wien Fleischhauer oder Fleischer - eine Zunft, die in anderen Teilen Österreichs auch als Fleischhacker und Metzger bekannt ist. Fleischhauer, die sich dem Zerlegen und Verwursten von Pferdefleisch widmen, heißen konsequenterweise Pferdefleischhauer. Der Ausdruck Pepihacker ist tatsächlich wienerisch und bezeichnet einen Pferdefleischhauer, er kommt aber weniger von den essbaren Teilen unserer berittenen Freunde, als von ihrem wehenden Ende. Beim Zerlegen der in Wien nicht nur als Spring-und Kutschentiere beliebten Pferde wird auch der Schweif abgehackt. Dessen lange und feste Haare waren ein wichtiger Rohstoff für die Füllung von Rosshaarmatratzen und für die Herstellung preisgünstiger Perücken; teure Zweitfrisuren wurden aus den Zöpfen langhaariger Mägde geknüpft. Ob aus Pferde oder Mädchenhaar - Pepi heißt die Perücke vermutlich nach einem Habsburger, der der Mode der Zeit entsprechend die schütter gewordene Kalotte unter einer gepuderten Perücke verbarg. Der Name des kahlen Kaisers: Joseph II., auf Wienerisch Pepi genannt.

dusl@falter.at


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