Ruhmreiche Rächer?

Steiermark Politik | Thomas Geldmacher | aus FALTER 13/06 vom 29.03.2006

ZEITGESCHICHTE Die österreichische Justiz des ersten Nachkriegsjahrzehnts war gar nicht so lahm wie bisher angenommen. Ein Konferenzbericht.

Wussten Sie, dass das Grazer Volksgericht mit seinen Außenstellen in Leoben und Klagenfurt in den Jahren 1945 bis 1948 zwölf Todesurteile gegen Nazi-Kriegsverbrecher fällte, die größtenteils auch vollstreckt wurden? Man lernt nie aus, wie es scheint. Die österreichische Nachkriegsjustiz genießt ja allgemein keinen allzu guten Ruf. Zu lasch sei sie gewesen, heißt es, allzeit bereit, den Ausflüchten und Ausreden ehemals hochrangiger Nationalsozialisten eher Glauben zu schenken als jüdischen Zeugen, und geprägt von der Auffassung, Österreich sei das erste Opfer Hitlers gewesen, weshalb seine Bewohner grundsätzlich nicht für die Untaten des NS-Regimes zur Verantwortung zu ziehen seien.

Diese Ansicht muss nun zumindest in größeren Teilbereichen revidiert werden, wie das Projekt "Justiz und NS-Gewaltverbrechen" nachweist, das die Wiener Forschungsstelle


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