VOM GRILL

Frühling in der Stadt

Steiermark Stadtleben | Mathias Grilj | aus FALTER 13/06 vom 29.03.2006

... nach der Winterdepression hat man ein neues Ziel: die Frühjahrsmüdigkeit. Gottlob hat alle paar Schritte ein Schanigarten offen. Dort ist viel ausgelassenes Gesumm. Die Dopamine, Geschenke der Natur, sprudeln nur so. Man grinst einander aufmunternd an: "Auch einen langen Winter hinter dich gebracht?"

... auf Bauernmärkten strahlen die Farben. Die Frauen sind wieder einmal schön wie noch nie und wie immer. Sie wissen und genießen das. Die Liebespaare erfinden die Welt und einander. Jogger quälen sich der Euphorie entgegen. Außerdem werden wieder mehr Fahrräder gestohlen.

... Halbstarke recken nackte Ellbogen aus dem Mantafenster, drehen das Wumm-wumm-wumm so auf, dass die Fassaden scheppern.

... hocken struppige Schwärme von Punks um den Erzherzog-Johann-Brunnen und werden wohl wackere Politiker auf den Plan locken. Dafür schreibt uns, wenn der Schnee geschmolzen ist, keine diktatorische Magistratsbeamtin mehr vor, wo wir auf dem Schloßberg flanieren dürfen und wo nicht. Die Schuhsohlen starren vor Streusplitt, der nicht beseitigt worden ist, man geht wie auf Spikes.

... wenn es wieder staubt und stinkt und von zahllosen Baustellen lärmt und dröhnt, sehnt man sich leise nach Neuschnee, so einen Meter.

... beugt sich der Glossist über die Zeilen und sinniert: "Im Frühling wünscht sogar ein Pfosten, grün zu werden."


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige