LEON ZELMANS VERDIENST

"Es ist gut geworden"

Politik | aus FALTER 14/06 vom 05.04.2006

Ganz am Anfang, Mitte der Neunziger, stand Leon Zelmans Idee, im Palais Epstein ein "Haus der Toleranz" einzurichten. Jahrelang kämpfte der rührige Auschwitz-Überlebende um ein großes Museum, das den jüdischen Beitrag zu Österreichs Kultur sowie die Anfänge und Gräuel des Holocaust dokumentiert. Nachdem sich das Parlament als Eigentümer dagegen quer gelegt hatte, erfüllte Nationalratspräsident Andreas Khol im Vorjahr Leon Zelman wenigstens seinen Wunsch nach einer kleineren Ausstellung. Im Parterre des frisch renovierten Prachtbaus am Ring wird nun das jüdische Leben in Wien gezeigt. Darüber residieren, wie geplant, die Mandatare des benachbarten Parlaments. Zum aktuellen Streit um das Haus der Geschichte sagt Leon Zelman nur: "Erst jetzt höre ich sehr oft und von vielen Seiten, wie Recht ich damals hatte, dafür unbedingt dieses Gebäude zu wollen."

Obwohl seine Vision nicht in Erfüllung ging, hatte der 78-Jährige vergangenen Sonntag allen Grund zum Feiern. Sein Jewish Welcome Service, mit dem Zelman es mittlerweile Tausenden NS-Vertriebenen ermöglichte, noch einmal ihre Heimatstadt zu besuchen, wurde 25 Jahre alt. Die Stadt Wien bedankte sich bei ihrem Botschafter, der mit seinem Engagement vielen Menschen die Schwellenangst vor einem Wien-Aufenthalt nahm, mit einem Festakt im Rathaus, bei dem Mitglieder der Wiener Philharmoniker aufspielten. Bundespräsident Heinz Fischer würdigte Zelmans Lebenswerk, in Gedenken an die 63.000 ermordeten Wiener Juden verlas die Kammerschauspielerin Elisabeth Orth einen Text über die Schicksale prominenter Vertriebener in der Fremde. Den etwa 500 geladenen Gästen, darunter auch Altkanzler Franz Vranitzky, erklärte Zelman in seiner Rede: "Ich wollte den Überlebenden das neue Österreich zeigen. Das ist alles, was ich wollte, und es ist gut geworden."


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