Kommentar

iPod: Kult und Kulturverlust

Kultur | Gerhard Stöger | aus FALTER 14/06 vom 05.04.2006

Nein, ich habe keinen. Und ich will auch keinen. Ich halte den iPod nämlich - wie jeden anderen tragbaren MP3-Player - für den aktuellen Höhepunkt eines kulturellen Werteverlusts, der sich spätestens mit der Einführung des CD-Brenners manifestierte und unter neuartigen Vorzeichen wieder einmal die Frage nach der Aura des Kunstwerks im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit aufwirft.

Musik ist heute so omnipräsent wie noch nie, und gleichzeitig bedeutet sie so wenig wie kaum zuvor. Frei nach dem schönen, der Durchsexualisierung und-pornografisierung des Alltagslebens geschuldeten Spruch, dass wir "oversexed", aber "underfucked" seien, könnte man diesen Zustand als "overtuned", aber "undersouled" beschreiben - und der iPod ist der Gegenstand, der diese Entwicklung perfekt versinnbildlicht. Was übrigens auch das soeben erschienene Buch "iPod also bin ich" des britischen Popjournalisten Dylan Jones (siehe Seite 66) tendenziell bestätigt, freiwillig oder unfreiwillig.

Unbestritten


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige