PRINCE

Lass stecken, Kleiner!

Kultur | Gerhard Stöger | aus FALTER 14/06 vom 05.04.2006

Was Prince Rogers Nelson nicht schon alles war: ein mit überbordender Kreativität gesegnetes junges Funkwunder, Michael Jacksons Kontrahent als Popkönig der Achtziger, der derbste Sexprotz des Rock 'n' Roll, "The Artist Formerly Known As Prince", ein "Love Symbol", ein "Sklave der Musikindustrie". Eines war der 47-Jährige allerdings nie: unproduktiv. Wer mitkonnte und-wollte, wurde auch in den Jahren ohne musikindustrielle Anbindung regelmäßig mit neuen Arbeiten des Meisters versorgt, und ganz klein war seine Gefolgschaft nie.

Zwei Jahre nachdem Sony mit "Musicology" erstmals seit einer guten Dekade wieder eine Majorproduktion des meist im Alleingang komponierenden, arrangierenden, produzierenden und performenden Egomanen veröffentlichte, inszeniert Universal sein neues Album "3121" jetzt als definitives Comeback. Das kann es eben schon deshalb nicht sein, weil Prince die Fließbänder seiner Funkmanufaktur nie geschlossen hatte; vor allem aber vermag "3121" auch musikalisch nicht ausreichend zu begeistern. Prince funkt zwar körperbetont wie eh und je, zeigt sich detailverliebt in der Ausführung und geht einmal mehr die zwei Buchstaben seines Alphabets - von "B" wie "Bedroom" bis "D" wie "Dancefloor" - durch, die Kuh bringt all das anno 2006 jedoch nicht mehr zum Fliegen.

Wer sich also nicht nur aus Nostalgie für Prince interessiert, sondern nach wie vor auf ein weiteres Wunderwerk der Marke "Sign 'O' the Times" hofft, sollte sich momentan lieber an den britischen Elektronikfreigeist Jamie Lidell halten. Der hatte auf seinem letztjährigen Album "Multiply" nicht nur den moderneren Funk, er hatte vor allem auch das, was Prince 2006 am meisten fehlt: einige wirklich zündende Songs.


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