POP-KLASSIK

Kultur | Carsten Fastner | aus FALTER 14/06 vom 05.04.2006

Nichts wäre bei Popsängerinnen und-sängern weniger relevant als die Frage nach deren stimmlichen Qualitäten. Es muss aber auch nicht gleich verschwiegen werden, dass manche Organe in ihrer Einfalt auf Dauer ganz schön ennuyieren können. Jenes von Jane Birkin zum Beispiel, die in vokaler Hinsicht immer noch nicht mehr kann, als sie 1969 für "Je t'aime" brauchte. Das macht aber gar nichts. Für "Fictions" (Emi) hat sie ihr Erfolgsrezept von "Rendez-vous" (2004) adaptiert, die Produzenten Renaud Letang und Gonzales engagiert, sich von Größen des aktuellen Popgeschäfts (Neil Hannon, Rufus Wainwright, Beth Gibbons, Dominique A, Arthur H) einige Nummern schreiben lassen, zwei Coverversionen dazugepackt (Tom Waits' "Alice" und Neil Youngs "Harvest Moon") und zum Abschluss sogar über Maurice Ravels "Pavane pour une infante défunte" einen Sprechgesang gelegt. Und das reicht völlig, um für eine knappe, charmant verhauchte und verwackelte Dreiviertelstunde lang jeden Gedanken an Fragen der Intonation vergessen zu haben.

Der sehr spezielle Reiz der Stimme von Cyndi Lauper hingegen mag sich eher in einzelnen Songs entfalten als gleich über eine ganze Albumlänge. Für "The Body Acoustic" (Epic/Sony) hat sie dennoch - ähnlich wie Birkin - jüngere Kollegen um neue Arrangements der zwölf bekanntesten Songs ihrer Karriere gebeten, darunter "She Bop", "True Colors", "Girls Just Wanna Have Fun" und "Time After Time". Doch weder Shaggy noch Jeff Beck oder Ani DiFranco ist dabei so viel gelungen wie Miles Davis, als er 1985 "Time After Time" coverte. Vielleicht liegt's ja daran, dass sich keiner traute, eine Instrumentalversion abzuliefern.


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