PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Geschlecht selbst kreieren!

Stadtleben | aus FALTER 14/06 vom 05.04.2006

... Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie Kiesel, ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate.

Jes 50,4-7 (1. Lesung am Palmsonntag)

Jedes Wort hat eine Wurzel, und beim Wort "Geschlecht" frugen sich die Hebammen und gingen im Kreischsaal im Kreis und grübelten herum: "Wo schlägt es hin? Wo schlägt es hin?" Und bei Alex Jürgen1 ist das eine lange, große Geschichte. Denn unter 2000 Geburten kommt eine große Nuance zur Welt. Und Alex Jürgen, nun 29, hat sich nun als männlich definiert. Aber es sind viele Intersexuelle und genauso viele Nuancen des Sexuellen auf der Welt, also auch in Österreich, das sich ja auch finden musste und muss, und nun ist es, was es ist, auf jeden Fall reich! Und der neue Film der großen Wiener Filmemacherin Elisabeth Scharang handelt von der wundervollen, herzlichen Persönlichkeit Alex Jürgens und seinem Pioniergeist, auch eine österreichische Selbsthilfegruppe der intersexuellen Menschen zu gründen, und hat den Titel "Tintenfischalarm"2. Scharang hat jetzt schon einige Filme über Menschen zubereitet, ohne sie vorzuführen. Immer hat sie die Personen, über die ihre Filme berichten, voll Würde und Hochachtung gezeigt. Und nun ist es dieser hübsche junge Kerl, der so viele Geschlechter durchwanderte und nun einen Halt für sich selber gefunden hat, der charmant, geistreich und witzig und weise ist, dies durch seine vielen schweren Wege offenbar wurde. Denn in der Pubertät hatten seine Schulkollegen, also die männlichen, vieles flüstern hören über den Bereich zwischen den Beinen, und griffen Jürgens nach Pubertantenart aus, um Näheres zu wissen, und Jürgen hatte die Panik, das sind Tintenfische, die haben so viele Arme, wie soll ich mich da wehren. So heißt der Film also jetzt "Tintenfischalarm". Und so begegne ich Alex Jürgens, der mit seinen Erfahrungen eine Selbsthilfegruppe intersexueller Menschen gründet und also auch für Eltern mit intersexuellen Geburten, damit die vielen Wege dieser Eltern, genauso ratloser Ärztys durch eine Anlauf-und Beratungsstelle leichter und weniger schmerzlich werden. Damit das zwischen den Beinen kein so schreckliches österreichisches Trauma mehr bleibt.

Die ungekürzte Version des Predigtdienstes ist über www.falter.at zu abonnieren.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige