STANDPUNKT

Licht ins Dunkel?

Politik | aus FALTER 15/06 vom 12.04.2006

Brave Kinder mit Downsyndrom und zufriedene Rollifahrer - so idyllisch ist die Welt der Menschen mit Behinderung, zumindest wenn man dem "Licht ins Dunkel"-Klischeebild glaubt. Keine Rede davon, dass behinderte Menschen bisher in quasi allen Lebensbereichen grob diskriminiert wurden. Ein blinder Jurist durfte nicht Richter und ein Rollstuhlfahrer nicht Lehrer werden - vorsintflutliche Vorstellungen, wie sie sonst kein europäischer Nachbar mehr vertrat. Doch jetzt hat die Bundesregierung Ernst gemacht und ihr vergangenes Jahr beschlossenes, maues Behindertengleichstellungsgesetz durch ein neues Begleitunggesetz aufgefettet: Mit den absurden Berufszugangsbeschränkungen ist demnach endlich Schluss. Ein später Triumph für die Behindertenbewegung, die noch immer einiges am Gleichstellungsgesetz auszusetzen hat und sich ein wirkungsvolleres nach amerikanischem Vorbild gewünscht hätte. Klar, auch die heimische Variante bietet Menschen mit Handicap erstmals die Möglichkeit, gegen Diskriminierung zu klagen, und setzt - allerdings lange - Übergangsfristen zur Beseitigung baulicher Barrieren fest. Wirklich interessant für die Betroffenen ist aber das, was nach wie vor fehlt: etwa österreichweite Standards für barrierefreies Bauen oder Zugang zur Bildung. Denn umfassende Antidiskriminierungsregelungen kosten viel Geld. Und das würde sich die Wirtschaft gerne sparen. J. O.


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