STREIFENWEISE

Kultur | Maya Mckechneay, Michael Omasta | aus FALTER 15/06 vom 12.04.2006

Der Strip einer langbeinigen Pilotin auf dem phallischen Rumpf eines Jets: Was im Comic "Tanguy und Laverdure" von Jean-Michel Charlier und Albert Uderzo noch eine gewisse Über-drüber-Ironie gehabt haben mag, wirkt in der Umsetzung der Actionkomödie "Skyfighters" ("Les Chevaliers du Ciel") nur noch tumb. Die Hauptrolle in diesem zwanzig Millionen Euro teuren Spektakel spielen aber sowieso weder Frauen noch Männer, sondern die Abfangjäger Mirage 2000C und 2000D: Insofern funktioniert "Skyfighters", der mehr Actionszenen als Handlung hat, vor allem als Showcase der französischen Airforce. "Für Fans moderner militärischer Luftabwehr ist dieser Film ein Muss", postet da neidlos ein US-Fan in der Internet Movie Database und zieht die "Fighters" in puncto Action seinem bisherigen Lieblingsfilm "Top Gun" sogar vor: "Atemberaubend, dass man in manchen Szenen sieht, wie die hohe Überrollrate des Delta-Tragflächendesigns einer Mirage auch sehr abrupte Richtungswechsel zulässt." Nur das Ende sieht er mit einiger Skepsis, wurde hier doch einer Frau die Rolle des "bösen Buben" überlassen. Tja, so sind sie, die Franzosen. Geben sich Codenamen wie "Riesling" und zeigen selbst den Terrorismus von seiner schenkelzarten Seite.

Oft genug passiert es, dass man schon beinahe krampfhaft nach einem Vorwand suchen muss, um wieder einmal die Reise in die Breitenseer Lichtspiele im 14. Bezirk anzutreten. Während der nächsten sechs Wochen allerdings steht in den BSL ein "Dokumentarfilmfestival" auf dem Programm, womit das Suchen vorerst sein Ende hat. Filme wie "Operation Spring" (von Angelika Schuster und Tristan Sindelgruber), "Schnelles Geld" (Sabine Derflinger) oder "Elsewhere" (Nikolaus Geyrhalter) sind tatsächlich ein guter Grund, das älteste Wiener Kino zu besuchen. Neben heimischen Produktionen steht zudem eine Auswahl internationaler Dokumentararbeiten (von Fatih Akin über Michael Moore bis Oliver Stone) am Spielplan. Eine günstige Gelegenheit, Versäumtes im Kino nachzuholen.


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