CAPOTES WAHRES DEBÜT

Grady, allein zu Haus

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 15/06 vom 12.04.2006

Ende 2004 langte bei Sotheby's New York ein alter Karton ein, in dem sich vier Schulhefte und 62 Seiten voller Notizen befanden: Sie entpuppten sich als vollständiges Manuskript von "Summer Crossing", einem Roman, den der damals 19-jährige Truman Capote im Jahr 1943 begonnen, aber nie publiziert und später gar als vernichtet ausgegeben hatte. Soeben ist "Sommerdiebe" nun im Rahmen einer vom Schweizer Kein&Aber Verlag besorgten Werkausgabe erschienen; der im Jahr 1948 erschienene Roman "Andere Stimmen, andere Räume", der lange als Capotes Debüt galt, folgt im Herbst.

Heldin von "Sommerdiebe" ist die noch nicht ganz 18-jährige Grady aus reichem und noblem Hause, die allein in New York zurückbleibt, während ihre Eltern mit dem Schiff nach Europa fahren, um sich in Paris mit so dringlichen Angelegenheiten wie dem Kleid für Gradys Balldebüt zu befassen, und die ältere, verheiratete Schwester den Sommer in East Hampton verbringt. Wovon der Rest der Familie nichts weiß: Grady hat einen


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