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Kultur | Christopher Wurmdobler, Wolfgang Kralicek | aus FALTER 15/06 vom 12.04.2006

Zuerst sind sich Nina Proll und Sascha Oskar Weis nicht ganz einig darüber, ob sie ein Kind machen/haben wollen, dann aber schon. Das Kammermusical "Babytalk" (bis 20.5.) von Peter Lund und Thomas Zaufke beginnt heiter und Rock-Hudson-Doris-Day-mäßig à la "Pillow Talk", geht aber schnell schwer in Ingmar-Bergman-artige "Szenen einer Ehe" über. Dazwischen singen die beiden musicalerprobten Darsteller, begleitet von einer 3-Mann-Combo, unplugged und jazzig - alles sehr solide und sehr brav und leider auch einigermaßen unspritzig. Wenn sich Regisseur Thomas Schendel (wie im Programmheft angedeutet) tatsächlich um die Geburtenrate hierzulande sorgt und "Babytalk" als Anreiz zum Kinderkriegen sieht, dann hätte er allerdings die Verhütungsmittel weglassen sollen. Obwohl, um auch mal was Nettes zu sagen: Im Stadttheater Walfischgasse sind bisher wohl selten so eindeutig Kopulationsstellungen eingenommen werden.

Eine der bisher besten Ideen von Volkstheaterdirektor Michael Schottenberg war die Heimholung der großartigen Silvia Fenz nach Wien. Auch in der aktuellen Produktion "Rose Bernd" wird's immer dann spannend, wenn Fenz auf der Bühne ist - was aber leider nicht sehr oft der Fall ist. Gerhart Hauptmanns Stück von 1903 erzählt, nach einem authentischen Fall, die Leidensgeschichte einer Magd, die unehelich schwanger ist und von verschiedenen Männern so schlecht behandelt wird, dass sie das Kind am Ende nach der Geburt umbringt. Eine der weniger guten Ideen Michael Schottenbergs war das Engagement von Regisseur Andreas von Studnitz. Der Mann wird demnächst Intendant in Ulm, und auf die Gefahr hin, dem Ulmer Theater Unrecht zu tun, muss man sagen: Auch das Volkstheater sieht an diesem Abend verdächtig nach Ulm aus. Die Inszenierung hat - außer kitschiger Musik - keine Idee zum Stück, schauspielerisch dominiert der Holzschnitt. Die junge Jennifer Frank in der Titelrolle hat's nicht leicht, schlägt sich aber tapfer. Und zum Glück gibt's ja noch Silvia Fenz.


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