Experiment gelungen

Steiermark Kultur | Eveline Koberg | aus FALTER 15/06 vom 12.04.2006

TANZ Im Grazer Schauspielhaus ist "Cabaret" nach dem Film mit Liza Minelli in einer Tango-Tanztheater-Interpretation zu sehen. Ein interessanter Versuch.

Als "multimediale Transkription" könnte man die Aufführung - ein einmaliges Gastspiel - bezeichnen, die die Möglichkeiten des Tango-Tanztheaters (Anastasia Ferrer, Luigi Zola & Company), des Films (Renate Sterlika), den des Wechsels zwischen Livemusik (Rudi Plank & Orchester: Astor Piazzolla) und Originaleinspielungen sowie den moderner Tangomusik (Georg Aranyi-Aschners) nützt. Ein komplexes Vorhaben, das überdies mit der Auflage konfrontiert ist, einem starken Film eine ebensolche eigenständige und in seiner Vielfalt homogene Sprache entgegenzusetzen.

Experiment gelungen: Der schräge Tango, angesiedelt zwischen Wirklichkeit und Illusion, beheimatet zwischen Begehrlichkeit und Enttäuschung, deckt als Basissprache sowohl die politische wie private Thematik schlüssig ab. Die wohldurchdachte, feinfühlige Film-Collage, die schwungvolle Musik und auch die mit viel Liebe zusammengestellten Kostüme (Sabine K., Cirra und Kostümverleih Art & Event) fügen sich nahtlos zusammen und lassen die ambitionierte Produktion (Inszenierung/Choreografie: Ferrer/Zola) zu einem kleinen Gesamtkunstwerk werden.

Eines, das allerdings auch an seine Grenzen stößt: Der klug gewählten Szenenabfolge hätte der Verzicht auf die kabarettistische "Kampfsequenz", den Übergangspassagen die eine oder andere Variation gut getan. Den durchgehenden Leistungen des Ensembles gebührt viel Hochachtung; Ferrer berührt insbesondere mit ihrem Solo des Verzichtens, Zolas Ausdrucksstärke, sein Tango-Feeling tun auch diesmal ihre Wirkung. Allein, ihrer beider großes Können entfaltet sich gemeinsam nicht ganz. Der mitreißende Funke, der den Atem anhaltend stocken lässt, springt nicht und nicht über: Bis zur grandiosen Schlussszene, in der gebündelte Qualitäten ohne Abstriche begeistern. Q


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