VOM GRILL

Wider den Anschluss

Steiermark Stadtleben | Mathias Grilj | aus FALTER 15/06 vom 12.04.2006

Zeit für nutzlose Appelle. An alle "Bräuchte"-Sager: Es heißt brauchte. An alle "Es ist ein Junge!"-Sager: Es ist ein Bub. An alle "Es macht Sinn"-Sager: Entweder hat es einen Sinn oder es hat keinen Sinn, machen tut es immer keinen. An alle "Tschüss"-Sager: Es heißt "Seas!" Und nebenbei an alle "Wägen"-Sager: Der Plural von Wagen ist Wagen, der von Lkw Lkw, nicht Lkws. An alle "Mal so, mal so"-und "Mal schauen"-und "Wieder mal"-Sager: Es heißt einmal so, einmal so, es heißt schauen wir einmal, es heißt wieder einmal.

Dass ich heute nicht Anglizismen attackiere, sondern Schlamperei und die allgegenwärtige Piefkisierung, hat mit hilflosem Zorn gegen den Anschluss zu tun. Jener Wirbel damals um die Beibehaltung von Erdäpfeln und Paradeisern war Heuchelei, wir unterwerfen uns alltäglich dem Deutschen. Dies grassiert nicht nur unter Werbefritzen, Boulevard-und Gratisblattjournalisten, es breitet sich epidemisch unter literarisch gehobenen Ständen sowie im Akademischen aus.

Alles Angeführte las ich ebenso bei Handke wie im ruhmreichen Falter, ich höre sie ständig auf Ö1, wo man stets die eigene Qualität hinausposaunt. Die ist inzwischen begriffen. Wo? Im Schwinden. Redet nicht über eure Qualität, führt sie lieber vor und zieht jeden unter euch, der sie unterschreitet, an den Ohren! Da habt ihr reichlich zu tun.


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