VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 16/06 vom 19.04.2006

Die Zeit ändert alles. Und nichts. Der Falter startete eine dreiteilige Serie zu Schulproblemen, "die Themen: Eliteförderung, Schulpraktikum, Lehrerinitiativen, gewählte Direktoren, Arbeitslosigkeit". Karl Lehrer (ein Pseudonym?) berichtete aus seinem Alltag als junger Mittelschulprofessor:

"Im Konferenzzimmer erwartet mich die Realität, die hinter der zwiebelförmigen Altersstatistik der Professoren steckt. Männer und Frauen zwischen dreißig und vierzig Jahren schießen emsig und arbeitsfroh durcheinander, und nur sehr selten erinnern ein durchfurchtes Antlitz und ein krummer Rücken an jene ohrfeigenden und haarereißenden Figuren, die manchem noch den schulischen Alltag der späten Sechziger-und frühen Siebzigerjahre verdüstert haben. ihre Unvernunft ist ausgestorben und einer humanitär-sozialkritisch-psychologisierenden Pädagogik voll Einfühlsamkeit und Milde gewichen: Heute erzählt zum Beispiel jemand, dass seine Schüler völlig unmotiviert waren, er sich daher nicht einbringen konnte, sodass er schließlich sogar eine Übungsarbeit geben musste. Ich versuche krampfhaft, mich in den weiter und breiter werdenden Erörterungen des pädagogischen Für und Wider von Übungsarbeiten, in die nun auch andere einfallen, zurechtzufinden, als mir unvermutet, aber deutlich, am anderen Ende des Konferenzzimmers, ganz in der Nähe der Direktionskanzlei, das Gespenst der Stellensituation erscheint. Seine höhnisch grinsende Fratze ist genau auf mich gerichtet ..." A.T.


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