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Partner oder Pate?

Politik | aus FALTER 16/06 vom 19.04.2006

Als echter Austrianer könnte man versucht sein, Michael Häupl zum Hero der Woche zu küren. Der Bürgermeister hat nicht nur den Bau eines neuen Stadions auf Schienen gebracht, sondern Financier Frank Stronach offenbar auch das Versprechen abgerungen, weiter Millionen in den traditionsreichen Fußballklub zu stecken. Ohne violette Brille betrachtet, glänzt der Deal allerdings weniger prächtig. Über Sinn und Unsinn des Projekts, das ein Stadion, ein Einkaufszentrum und Wohnungen umfasst, kann man streiten - das Rathaus argumentiert, aus dem öden Standort Rothneusiedl einen schmucken Stadteil machen zu wollen. Nun tauchte aber ein neues Argument auf, das dem Geschäft eine schiefe Optik verleiht. Häupl sitzt ehrenamtlich dem Kuratorium der Austria vor, und die ließ dieser Tage verlautbaren: Wenn das Stadionprojekt stehe, dann sei Stronach gesprächsbereit, den Klub weiter zu unterstützen. Diese Verquickung ist bedenklich. Erfüllen sich der Stadtregent und der Großindustrielle da gegenseitig Bubenträume? Darf sich Stronach ein Stadion als Denkmal bauen, weil er Häupls Herzensverein weitersponsert? Der Bürgermeister gerät in den Verdacht, private und öffentliche Interessen zu vermischen. Als Stadtchef hat Häupl seine Entscheidungen am Wohl der Allgemeinheit zu orientieren. Und die besteht nicht nur aus Fußballfans. G. J.


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