Nacht der Witwen

Politik | Matthias G. Bernold | aus FALTER 16/06 vom 19.04.2006

TRAGÖDIE Die Rettung brachte Mutter, Sohn und Enkel ins Spital. Ohne Untersuchung schickt man die Männer wieder heim. Kurz darauf sind sie tot.

Die kleine alte Frau sitzt am Küchentisch ihrer Nachbarin und nippt zittrig am Wasserglas. Slobodanka P., 71 Jahre alt, Hausmeisterin in der Schellinggasse, trägt Schwarz, ein Tuch verdeckt die krausen Haare. Sie erzählt davon, wie ihr Sohn und ihr Enkel starben und davon, wie zwei Frauen zu Witwen wurden. Sie erzählt von jener Nacht im März, "als unsere Familie die Männer verlor".

Der 48-jährige Aza P. und sein 24 Jahre alter Sohn Dejan lagen tot in der Hausbesorgerwohnung, als die Feuerwehr am Abend des 28. März die Tür aufbrach. Eine Kohlenmonoxidvergiftung, ausgelöst durch Emissionen eines alten Ölofens, gilt als die wahrscheinlichste Todesursache. Das Perfide daran: Davor waren die beiden Männer und Frau P. mit der Rettung in die Notaufnahme der Rudolfsstiftung gebracht worden. Alle drei hatten über dieselben Beschwerden geklagt:


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