"Sie werden sterben"

Politik | Julia Ortner | aus FALTER 16/06 vom 19.04.2006

HOSPIZ Die Caritas begleitet jährlich 2900 schwer kranke Menschen bis zu ihrem Tod. Manfred Schiefauer ist einer von ihnen. Diagnose Krebs, Endstadium.

Er sollte eigentlich schon tot sein. Aber keine Rede davon, Manfred Schiefauer sitzt durchaus lebendig in der Aida am Eck, vor sich eine Melange, in der Hand einen Tschik. Der 39-Jährige, ein gemütlicher Typ mit Schnauzer und Turnschuhen, erzählt von der Diagnose, die sein Leben schon vor einem Jahr vorschnell beendet hat:

"Nach der Biopsie ist es mir brutal gesagt worden. Der Arzt hat gemeint: ,Krebs, Endstadium, nicht operabel, Sie werden sterben. Wir können nur versuchen, das rauszuzögern. Nächste Woche fangen wir mit der Bestrahlung an.' Ich bin weinend nach Hause gegangen. Die Ärzte wundern sich immer, dass es mir noch so gut geht. Vor einem Jahr haben sie mir eine Lebenserwartung von sechs Monaten bis ein Jahr gegeben. Kaffee, Zigaretten, meine Ärztin hat mir alles erlaubt: ,Genießen Sie Ihr Leben, es ist abgehakt.' Falsche


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