KUNST KURZ

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 16/06 vom 19.04.2006

Wenn sich der Wiener Künstler Marko Lulic schon endlich ein Ferienhaus an der kroatischen Küste leistet, dann nur eines nach streng modernistischem Vorbild. Für eine Gruppenausstellung in Bregenz hat er letztes Jahr sein Traumhaus entworfen. Als stilistische Anleihe diente ihm dafür der 1940 gebaute Bungalow des kalifornischen Architekten Albert Frey. Nun kann "Lulic House No. 1" in der Gabriele Senn Galerie (bis 29.4.) besichtigt werden. Nur seltsam, dass sich dessen Häuselbauerstolz so lieblos äußert: Da steht ein aus Spanplatten schäbig zusammengekleistertes Modell, und an der Wand hängen schnell gefertigte Collagen, deren Fotos einem den Meeresblick eher vermiesen. Ein seltsames rotes Gestell und ein Video mit kryptischem Text auf schwarzem Grund ergänzen die Schau. Künstler und Kritiker will Lulic in sein neues Domizil einladen. Dort sollte dann auch dringend mal die Frage diskutiert werden, wie lange die Ästhetiken der Vorkriegszeit noch als referenzielle Aufwertung für einfallslose Gegenwartskunst herhalten können.

Das Gute ist immer woanders. Was haben die Habsburger nicht alles an "Exotica" anschleppen lassen, um damit ihre Wunderkammern zu füllen. Das Kunsthistorische Museum lädt immer wieder mal zum Bestaunen von in Gold gefassten Kokosnüssen, Skulpturen aus Straußeneiern oder Nashorn, ohne die an diese Objekte geknüpfte Kolonialgeschichte auch nur irgendwie kritisch zu streifen. Der Künstler João Pedro Vale, Jahrgang 1976, ist nun für seine Ausstellung in der Galerie layr:wüstenhagen (bis 27.5.) dem Kuriositätenhandel zwischen Portugal und Österreich nachgegangen. In der Schau "Quanta rariora tanta meliora" ("Je seltener, desto besser") zeigt der Künstler über ein Dutzend skurriler Plastiken nach historischem Vorbild. Der Witz dabei: Die Preziosen bestehen aus Kaugummi, Zigarettenschachteln, Strümpfen oder Perücken und machen so die Absurdität der ursprünglichen Edelstoffe noch deutlicher.


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