Fragen Sie Frau Andrea

Oarschwasser

Stadtleben | aus FALTER 16/06 vom 19.04.2006

Liebe Frau Andrea,

ein guter Freund warf die unzweifelhaft altwienerische Redewendung "Do wird an jo des Oarschwasser kochat" in die gesellige Tafelrunde. Wo befindet sich diese periphere körperliche Wasserreserve und welchem evolutionären Sprung entstammt sie? Haben wir ein biologisches Ventil, um den durch den Erhitzungsprozess erzeugten Druck unbeschadet zu überstehen - oder z'reißt es die Betroffenen schlicht und einfach irgendwann? Und wenn das "Oarschwasser" kocht, welche Auswirkungen spüren die Betroffenen bzw. können sie jemals wieder normal sitzen? Fragen über Fragen die auf Ihre wie immer kompetente und rettende Antwort warten.

Vielen Dank vorab,

Thomas, Alsergrund

Lieber Thomas,

der blumige Ausruf ist tatsächlich urwienerisch und kommt aus einem Vokabularium, dem auch die Zornformeln "Da geht ma des G'impfte auf!" oder "So kumman ma do die Kabel aussa!" entstammen. Originär wird der Ausdruck, wenn Sie den Aggregatszustand des Arschwassers statt "kochat" - kochend mit dem wienerischen "siadat" - siedend beschreiben. Der anatomische Ort, an dem wir die gluteomaximale Wasseransammlung finden wollen, ist aber nicht innerhalb des Körpers, wie Sie vermuten, also nicht Teil des gastrointestinalen Systems, sondern außerhalb. Das "Oarschwossa" ist nämlich der kalte Schweiß auf den Pobacken. Dieses siedet in Zeiten großen Zorns und sommerlicher Hitze. In beiden Fällen wäre es schmähtechnisch angebracht, vom "Oarschwossasiadn" zu sprechen.


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